Der Arbeitskreis hat einen Offenen Brief an den Deutschen Bühnenverein formuliert zum Thema Anhebung der Mindestgage:

Deutscher Bühnenverein
Herrn Grandmontagne
Herr Khuon
Hauptgeschäftsstelle
St.-Apern-Str. 17-21

50667 Köln

Aalen / Heidelberg / Stuttgart, Juni 2017
Anhebung der Mindestgage

Sehr geehrter Herr Grandmontagne, sehr geehrter Herr Khuon,

wir melden uns bei Ihnen als Sprecher*innen des Arbeitskreises Junges Theater Baden-Württemberg. Wie Sie sich vorstellen können, haben die Forderungen des ensemble netzwerk und die daraufhin verkündete Anhebung der Gast-Mindestgagen auf 200 Euro auch bei uns für einige Diskussionen gesorgt. Vielleicht können wir Ihnen mit diesem Brief zusätzliche Argumente bei den weiter zu führenden Diskussionen liefern.

Selbstverständlich befürworten wir grundsätzlich, dass Künstler*innen, die ein Studium absolviert haben, mit dem, was sie verdienen, keine existenziellen Sorgen mehr haben sollten, um sich auf ihre Kunst konzentrieren zu können. Daher befürworten wir auch eine Anhebung der Monats-Mindestgagen auf mindestens 2000 Euro.

Innerhalb unseres Arbeitskreises liegen zwei Drittel aller Schauspielergagen im Jungen Theater zwischen 1850 und 2300 Euro. Das bedeutet, dass gerade die Künstler*innen im Kinder- und Jugendtheater von einer Anhebung der Mindestgagen (und damit zusammenhängend sicher auch der Gagen für ein drittes oder viertes Jahr im Ensemble) profitieren.

Auch die Gefälle innerhalb der kommunalen Theater würden geglättet. Dass junge Schauspieler*innen in der Sparte Kinder- und Jugendtheater per se weniger verdienen als ihre gleichaltrigen, gleich ausgebildeten Kolleg*innen im Abendspielplan, ist nicht begründbar und macht es leider immer schwieriger, ein Ensemble gleicher Qualität aufzubauen bzw. zu erhalten. Und wie wichtig qualitätsvolles Kinder- und Jugendtheater in unseren Zeiten ist, hat der Künstlerische Ausschuss in Heidelberg ja deutlich unterstrichen.

Allerdings gibt es einige Probleme, die sich daraus ergeben, auf die wir hinweisen und um Ihre Hilfe bitten möchten:
Wenn das Gefälle innerhalb der kommunalen Theater einerseits eingeebnet wird bzw. werden sollte, wird auf der anderen Seite das Gefälle zwischen kommunalen und privaten Theatern steiler werden. Letztere sind von der Forderung nach 200 Euro als Mindestgastgage ausgenommen worden. Das ist zwar verständlich, aber bedeutet gleichzeitig, dass es für Schauspieler*innen deutlich weniger attraktiv wird, an Privattheatern zu spielen. Um also auch künftig qualifizierte Kolleg*innen abseits der kommunalen Bühnen zu präsentieren, werden letztendlich auch die Privattheater gezwungen sein, ihre Gagen zu erhöhen.
Die Konsequenz daraus wäre, entweder Personal abzubauen bzw. weniger Gäste zu beschäftigen oder weniger zu produzieren, wodurch naturgemäß wieder weniger Einnahmen generiert würden.

Es sei denn, der Kuchen, der aufzuteilen ist, würde größer werden. Deshalb sehen wir die Notwendigkeit, die Förderer in die Pflicht zu nehmen. Um eine Erhöhung der Mindestgagen an allen Theatern zu ermöglichen, müssen die kommunalen Träger die Etats erhöhen, denn eine Finanzierung aus den bisherigen Etats ist in Anbetracht der ohnehin schon geringen finanziellen Ausstattung der Kinder- und Jugendtheater nicht leistbar.

Deshalb möchten wir Sie dringend und herzlich bitten, Ihr Bemühen um höhere Gagen vor allem bei unseren Geldgebern zu platzieren; vor allem auch mit Blick auf kleine Häuser und Theater für ein junges Publikum. Denn wir wollen anspruchsvolles Kinder- und Jugendtheater zeigen, u.a. um den Erhalt einer offenen Gesellschaft zu sichern – und dazu brauchen wir Gagen, die den finanziellen Ansprüchen unserer Künstler*innen gerecht werden. Wir würden uns freuen, wenn Sie mit uns ins Gespräch treten würden.

Mit bestem Dank und herzlichem Gruß,

Natascha Kalmbach  (Junges Theater Heidelberg
Winfried Tobias (Theater der Stadt Aalen)
Christian Schönfelder (Junges Ensemble Stuttgart)