Evan Placey gewinnt den Jugendtheaterpreis Baden – Württemberg 2016

  • 1. Preis für Evan Placey
  • 2. Preis für Liv Heløe
  • Förderpreis für Charlotte Luise Fechner
  • Projektstipendium für Lisa Sommerfeldt und das Theater Ulm

Den vom Baden-Württembergischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst gestifteten Jugendtheaterpreis erhält dieses Jahr der kanadisch-britische Autor Evan Placey mit seinem Übersetzer Frank Weigand für „Mädchen wie die“, den zweiten Preis erhalten die Norwegerin Liv Heløe und ihre Übersetzerin Berit Glanz für „meet me“; Charlotte Luise Fechner erhält für „Kleinkaliber“ den Förderpreis und das Projektstipendium geht an Lisa Sommerfeldt und das Theater Ulm.

Diese Entscheidung hat eine 20-köpfige Jury getroffen, der neben Vertretern der Kinder- und Jugendtheater Baden-Württembergs der in Freiburg lebende Autor David Lindemann, der Kritiker Andreas Jüttner, der Lektor Thomas Maagh vom Verlag der Autoren und die Veranstalterin Sybille Hirzel vom Kulturamt Ludwigsburg angehören. Während des Internationalen Kinder- und Jugendtheaterfestivals „Schöne Aussicht“ im Juni 2016 werden die Preise am Jungen Ensemble Stuttgart verliehen.

Der Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg wird alle zwei Jahre vom Arbeitskreis der Kinder- und Jugendtheater Baden-Württemberg ausgeschrieben. Er ist nicht nur einer der traditionsreichsten Preise des Genres, sondern mit einer Preissumme von 15.000 Euro auch einer der am besten dotierten.

Evan Placey ist Dozent an der University of Southampton und unterrichtet dramatisches Schreiben sowohl am National Theater in London als auch in Gefängnissen. Mit dem bei Felix Bloch Erben erschienen Stück „Mädchen wie die“ gewann er den Writers´ Guild Award of America als bestes Stück für junges Publikum.

Das Nacktfoto von Scarlett verbreitet sich wie ein Lauffeuer; ihre Mitschülerinnen verbünden sich gegen sie, schließen sie aus und treiben sie erbarmungslos in die Isolation. Jede leitet das Foto weiter, keine spricht mit ihr. Als das Nacktfoto von Russell im Netz erscheint, reagieren die Jungs mit ironisch anerkennender Kumpanei. Evan Placey macht schockierend deutlich, dass die Töchter und Enkelinnen mit dem Kampf ihrer Mütter und Großmütter gegen patriarchale Machtstrukturen nichts mehr zu tun haben. An die Stelle von Gemeinschaftsgefühl und der Stärke füreinander einzustehen, treten Opportunismus und der Krieg unter- und gegeneinander. Auch die theatralische Form von Evan Placeys „Mädchen wie die“ zieht in den Bann: Es gibt kaum Rollen, sondern einen revueartigen kollektiven Erinnerungsstrom.

http://www.felix-bloch-erben.de/index.php5/nid/1606/Action/showNews/fbe/p2r2fqfii321rfaojvuc4gnov2/

 

Liv Heløe arbeitete 15 Jahre als Schauspielerin, bevor sie sich als Autorin einen Namen machte. Für ihre Arbeiten erhielt sie zahlreiche Preise, u.a. den National Ibsen Award und den Heddaprisen für die beste Kinder- und Jugendtheaterproduktion.

„Meet me“, erschienen im Theaterstückverlag München, handelt von der ganz normalen Ödnis im Alltag zweier junger Flüchtlinge ohne Aufenthaltserlaubnis. Es handelt von der Sehnsucht im fremden Land Fuß zu fassen und von der Komik tragisch-skurrilen Fehlverhaltens und absurder Missverständnisse. Liv Heløe setzt mit dem Unspektakulären, Leisen und auch Poetischen von „meet me“ einen unaufdringlich eindrücklichen Kontrapunkt gegen die politische Aufgeregtheit dieser Tage.

http://www.theaterstueckverlag.de/Autoren/autoren/bioA/hele_liv/showAut

 

Die mit dem Förderpreis ausgezeichnete Charlotte Luise Fechner lebt als freie Autorin, Übersetzerin und Theaterdozentin in Köln. Auch ihr bei Hartmann&Stauffacher erschienenes Stück „Kleinkaliber“ beschäftigt sich mit der Gefühlswelt von Mädchen.

Marie kümmert sich um ihren Großvater; der ist dement und kackt in die Hosen. Ihre Freundinnen kommen zu Besuch. Die sind vor allem mit ihren Smartphones, mit Filmen, Posten und Liken beschäftigt. Es kommt zu einer temporeichen Begegnung zwischen der sprunghaften Sturheit des dementen Alten und der digitalen Besessenheit der Mädchen. Das Aufeinandertreffen der beiden Generationen zeigt das Aufbrechen von Gewalt in Strukturen, in denen der Zwang zur Selbstdarstellung Respekt nachrangig werden lässt. Sprachlich hervorragend gearbeitet, ein rhythmisch rasant komponierter grausamer Text.

http://www.hsverlag.com/seite/?autoren/detail/a10668

 

Lisa Sommerfeldt war früher Schauspielerin und ist heute freie Autorin und schreibt Theaterstücke und Hörspiele. Sie  wird in Zusammenarbeit mit dem Theater Ulm ein mit Grimm´schen Märchenmotiven spielendes Stück „Der dunkle Vogel“ über sexuellen Missbrauch entwickeln.

http://lisa-sommerfeldt.de/

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